Das ist ein Thema mit dem ich mich schon lange herumschlage und erst langsam meinen Frieden finde. Es fühlt sich so schlecht an, entweder von Staat oder Kapital existenziell abhängig zu sein und immer wie ein schlechter Kompromiss, wie zu viel Zeit die verloren geht und zu viel Energie die ich investiere, zu viel Bequemlichkeit und Lebensstandard an die ich mich gewöhne, eine schleichende Korruption. Wenn ich dann andere politisch aktive Menschen sehe die von H4 oder kleinen Gelegenheitsjobs leben dann denke ich manchmal - wie viel konsequenter! Nur weiß ich dass so ein prekäres Leben auch ganz schön viel Energie und Aufmerksamkeit erfordert, und die ganze Zeit ein wenig an den Menschen nagt. Is es das wert? Bin da auf jeden Fall noch bei keinem Schluss angekommen.
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Auch wenn es vielen Aktivist*innen zuwider ist, sich mit materieller Sicherheit bzw. einem Einkommen zu beschäftigen, ist dies für ein langfristiges Engagement dennoch notwendig. Hier werden wir existenziell mit unseren Abhängigkeiten von unserer Familie, dem Staat und dem industriellen Kapitalismus konfrontiert. Konsumverzicht, freiwillige Armut und Genügsamkeit können den Bewegungsspielraum im Käfig erhöhen, ihn aber nicht abschaffen [...] Die langfristige Herausforderung besteht meines Erachtens darin, ein ausreichendes Einkommen mit einer sinnvollen Tätigkeit und einer passenden Aufgabenstellung zu erwirtschaften, die weder Menschen noch andere Lebewesen verletzt oder ausbeutet und zudem ausreichend Freiraum und Zeit für politisches Engagement lässt. Dies muss nicht von heute auf morgen geschehen, aber sich diesem Ziel Stück für Stück zu nähern, stabilisiert.
reading anarchist reviewed Disability Visibility by Alice Wong
Amazing anthology
5 stars
Can only recommend. Never read such a diverse anthology, so many topics to reflect on. Also liked that the essays had content warnings so you can decide if you wanna engage with it or not.
reading anarchist started reading Sober living for the revolution by Gabriel Kuhn
Eine Schwierigkeit im neoliberalen Kapitalismus ist, dass es einen bereits zur Unperson macht, ein Problem zu haben. Wer Probleme hat, gilt als Versagerin, die*der nicht klarkommt und allen anderen zur Last fällt. Bei bestimmten Problemen - wie dem, finanziell arm zu sein-, ist es besonders schlimm. Scham und Schuld verhindern oft gemeinsames Handeln und pure Ohnmacht und Überforderung sogar individuelles Handeln. Wenn ich das Problem eigentlich nicht haben dürfte - von der gesellschaftlichen Norm her -, wie kann ich mich dann dagegen wehren? Es ist wichtig, mit existenziellen Ängsten nicht allein zu bleiben, denn das macht krank. Es ist wichtig, sich gegenseitig immer wieder daran zu erinnern, das die Dreistigkeit beispielsweise in der Mieterhöhung und im unglaubwürdigen Eigenbedarf liegt - und nicht in der Tatsache, dass man dem Ganzen widersprochen hat, dass man sich wehrt und zurückstresst. Dadurch entsteht Raum zum Durchatmen. Der Stress wird weniger.
- Aktivist*innen der Solidarischen Aktion Neukölln "Mit existenziellen Stress nicht allein bleiben - eine Routine der Solidarität"
— Solidarisch gegen Klassismus by Brigitte Theißl, Francis Seeck
Seit März 2020 herrscht aufgrund der Corona-Krise eine Art Ausnahmezustand. In dieser Situation befinden sich einkommensarme Menschen permanent - wenn sie nicht gerade in einer Großstadt wie Berlin leben, wo es gewöhnlich eine umfangreiche soziale Infrastruktur und viele kostenlose Angebote gibt. Sie sind es gewohnt, isoliert in ihren Wohnungen zu sitzen und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu sein. Nach draußen zu gehen, bedeutet für sie schon immer, Geld ausgeben zu müssen, über das sie nicht verfügen. Viele Dinge, die Menschen aus der Mittelschicht in Corona-Zeiten schmerzliche vermissen, sind für Einkommensarme auch in ihrem normalen, alltäglichen Leben nicht möglich, etwa Reisen, Besuche von Restaurants, teuren Konzerten und Sportkursen.
- Anne Seeck: Von Umverteilung ist kaum etwas zu hören
— Solidarisch gegen Klassismus by Brigitte Theißl, Francis Seeck
reading anarchist started reading Solidarisch gegen Klassismus by Brigitte Theißl
Solidarisch gegen Klassismus by Brigitte Theißl, Francis Seeck
Mit Solidarisch gegen Klassismus – organisieren, intervenieren, umverteilen liegt ein erster deutschsprachiger Sammelband zum Thema vor. Der Fokus liegt auf …
reading anarchist wants to read Liberating Sápmi by Gabriel Kuhn
Liberating Sápmi by Gabriel Kuhn
The Sámi, who have inhabited Europe’s far north for thousands of years, are often referred to as the continent’s “forgotten …
reading anarchist quoted Aspergers Kinder by Edith Sheffer
Content warning Menschenexperimente
Viele andere Täter kamen ungeschoren davon. Sogar führende Köpfe des NS-Euthanasieprogramms, darunter Hans Heinze und Werner Villinger, machten nach dem Krieg in Deutschland Karriere als Psychiater. Franz Hamburger, der im Jahr 1944 emeritiert worden war, musste sich nie vor Gericht verantworten. Es geriet rasch in Vergessenheit, dass die Universitäts-Kinderklinik unter seiner Leitung eine wichtige Rolle im Tötungssystem gespielt hatte. Hamburgers Schüler Elmar Türk, der unter Hamburgers Anleitung Tuberkuloseexperimente an Kindern durchgeführt hatte, praktizierte noch in den neunzigern Jahren und nutze die bei Menschenversuchen gesammelten Erkenntnisse. Körperteile von am Spiegelgrund getöteten Kinder waren noch Jahrzehnte nach dem Krieg in den Wiener Forschungslabatorien in Umlauf und bildeten die Grundlage für medizinische Publikationen. [...] Gross machte sich als Arzt in Österreich einen Namen und wurde im Jahr 1975 mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
The guidelines for the Honorable Harvest are not written down, or even consistently spoken of as a whole - they are reinforced in small acts of daily life. But if you were to list them, the might look something like this:
Know the ways of the ones who take care of you, so that you may take care of them. Introduce yourself. Be accountable as the one who comes asking for life. Ask permission before taking. Abide by the answer. Never take the first. Never take the last. Take only what you need. Take only that which is given. Never take more than half. Leave some for others. Harvest in a way that minimizes harm. Use it respectfully. Never waste what you have taken. Share. Give thanks for what you have been given. Give a gift, in reciprocity for what you have taken. Sustain the ones who sustain you and the earth will last forever.
reading anarchist quoted Aspergers Kinder by Edith Sheffer
Content warning Eugenik
Die Täter schilderten die Praktiken in der Anstalt nüchtern und erweckten vor Gericht den Eindruck, die Tötung von Kinder sei in der Klinik einfach eine unumgängliche Praxis gewesen. Die Ärztin Marianne Türk erklärte, sie sei "durchaus nicht leichtfertig vorgegangen", sondern habe "lange und gewissenhaft geprüft", ob sie ein Kind zur Tötung melden sollte. Das Morden war Teil des wissenschaftlichen Protokolls. Ernst Illing beglückwünschte sich nach dem Krieg in einer Vernehmung zu einem gut funktionierenden Verfahren: Er habe "die neuen Lehren als sehr ernst und verantwortungsvoll betrachtet". Er behauptete, die Anstalt am Spiegelgrund habe eine nützliche Funktion erfüllt: "Keines der Kinder wäre nach meiner besten Überzeugung nach jemals auch nur im beschränkteren Maß bildungs- oder arbeitsfähig geworden". Die Tötung von behinderten und "asozialen" Kinder stellte einfach eine weitere Methode zur Vervollkommung der "Volksgemeinschaft" dar.
reading anarchist replied to Reclus's status
@reclus@sunbeam.city schwierig. Wenn dich das Thema sehr interessiert und du auch an dem, sag ich mal, "Mythos" Asperger interessiert bist, dann schon. Sehr interessante Infos über die Nazizeit und wie das so auf dem Gebiet ablief. Allgemein schon viel Input. Aber brauche schon etwas Durchhaltevermögen;)
reading anarchist quoted Aspergers Kinder by Edith Sheffer
Content warning Sexismus
Woran lag es, dass die Jugen anders behandelt wurden als die Mädchen? In seiner Habilitationsschrift behauptete Hans Asperger, im Lauf von zehn Jahren sei in seiner Abteilung bei "mehr als 200 Kindern" eine autistische Störung entdeckt worden - und er und seine Kollegen waren nicht auf ein einziges Mädchen gestoßen, "bei dem das Bild des Autistischen Psychopaten voll ausgesprägt zu finden gewesen wäre". Die vage Zahl von "mehr als 200" Fällen klingt nicht überzeugend. Aber Asperger stellte kategorisch fest, die autistische Psychopathie sein eine auf das männliche Geschlecht beschränkte Störung. Zwar räume er ein, mehreren Müttern autistischer Jungen begegnet zu sein, die "in ihrem Verhalten ausgesprochen autistisch waren", und bei Mädchen "Kontaktstörungen" beobachtet zu haben, "die in manchen Zügen an die Autistischen Psychopathen gemahnten" aber die Symptome führte er nicht auf eine zugrunde liegende Störung, sondern auf hormonelle Schwankungen zurück. Allerdings räumte er die Möglichkeit ein, dass "die autistischen Wesenzüge beim weiblichen Geschlecht erst nach der Pubertät auftreten".
reading anarchist commented on Aspergers Kinder by Edith Sheffer
reading anarchist quoted Aspergers Kinder by Edith Sheffer
Content warning Nazizeit, Erbbiologie
"Die Erbbestandsaufnahme in Wien war ein gewaltiges Unterfangen. Bis zum Frühjahr 1944 nahmen die Mitarbeiter des Hauptgesundheitsamts 767.000 Menschen - ein Viertel der Bevölkerung der Stadt - in ihre Kartei auf, die damit zu einer der größten Datenbanken im Deutschen Reich wurde. Über siebzig Mitarbeiter beschäftigten sich mit dem Register und durchforsteten Geburtsurkunden, Aufzeichnungen des Jugendamts, Krankenakten, Polizeiberichte, Akten aus Steinhof, Aufzeichnungen aus dem NSDAP-Archiv und die städtischen Prostituierten- und Trinkerkataster. Das Wiener Register enthielt mindestens 12.000 Kinder und Jugendliche, denen Behinderungen zugeschrieben wurden, und mindestens 40.000 "schwierige und psychopathische Kinder aus asozialen Familien", von denen viele in Aspergers Zuständigkeitsbereich fielen. Die Haupgesundheitsämter in anderen Teilen des Deutschen Reichs legten ebenfalls massive erbbiologische Register an. Im Rheinland wurden mindestens 1,25 MIllionen Menschen, das heißt 16 Prozent der Bevölkerung, in die Kartei aufgenommen, und Thüringen erfasste 1,7 MIllionenen Einwohner (ein Fünftel der Bevölkerung). Das umfassendste Register war das hamburgische, in dem Daten über 1,1 Millionen Einwohner oder 65 Prozent der Bevölkerung gesammelt wurden." [...] Die Erbbestandsaufnahme diente nach den Wünschen ihrer Architekten letzten Endes einem "praktischen" Zweck: dieser bestand darin, "Grundlagen zu schaffen für die Durchführung der erb- und rassenpflegerischen Maßnahmen"